Zahl der Baugenehmigungen ist 2012 gestiegen

Hauskauf-BerlinDer Boom auf dem Wohnungsmarkt setzt sich fort. 2012 wurden in Deutschland erneut mehr Baugenehmigungen erteilt als im Vorjahr, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden mitteilte. Insgesamt durften rund 239 500 Wohnungen gebaut oder umgebaut werden und damit 4,8 Prozent oder 11 100 Wohnungen mehr als ein Jahr zuvor. Allerdings konnte der starke Zuwachs aus dem Jahr 2011 (plus 21,7 Prozent) nicht wiederholt werden. Besonders stark war das Plus mit 13,3 Prozent bei Wohnungen in Mehrfamilienhäusern mit gut 96 000 neuen Wohnungen. Dagegen sank die Zahl der genehmigten Wohneinheiten in Einfamilienhäusern um 5,8 Prozent auf rund 88 500.

Nach Einschätzung der Baubranche werden damit noch immer zu wenig neue Wohnungen gebaut, während der Immobilieneigentümerverband Haus & Grund einen voll funktionsfähigen Wohnungsmarkt sieht.

Im Krisenjahr 2009 hatte der Wohnungsbau mit 159 000 Wohnungen einen Tiefstand erreicht. Der Nachholbedarf ist also groß.

Der Zentralverband Deutsches Baugewerbe (ZDB) erklärte, die Zahl der Wohnungsgenehmigungen zeige „einmal mehr, dass immer noch zu wenig neue Wohnungen auf den Markt kommen“. Baugenehmigungen seien nicht mit Fertigstellungen gleichzusetzen. Steuerliche Anreize für Bauherren seien nötig, um die Bautätigkeit anzuschieben, erklärte ZDB-Hauptgeschäftsführer Felix Pakleppa. Die Bundesregierung müsse die steuerliche Absetzbarkeit des Mietwohnungsbaus verbessern.

Der Eigentümerverband Haus & Grund hingegen betonte, die Statistik zeige, der Wohnungsmarkt „funktioniert ganz offensichtlich“. Es würden deutlich mehr als die nach aktuellen Berechnungen nötigen rund 200 000 neuen Wohnungen pro Jahr in Angriff genommen. „Die hektischen Diskussionen der vergangenen Wochen über Wohnungsnot und Mietenexplosionen sind nichts anderes als Panikmache im Vorwahlkampf“, erklärte Verbandspräsident Rolf Kornemann. Fatal sei es auch, potenzielle Bauherren zu verunsichern. Der Wohnungsneubau dürfe nicht durch „puren Aktionismus“ künstlich angeheizt und durch Steuergeld nicht „der Leerstand von morgen finanziert“ werden.

Weidmann sieht keine Immobilien Blase

Investment

Niedrige Zinsen

Niedrige Zinsen lassen die Anleger zu Immobilien greifen. Vor allem in Großstädten steigen die Preise für Eigentumswohnungen. Dennoch sieht die Bundesbank keine Anzeichen für eine Überhitzung.
Die Bundesbank hat ihre Warnungen vor möglichen Übertreibungen am deutschen Immobilienmarkt bekräftigt.“Fakt ist: Der deutsche Immobilienmarkt ist mittlerweile regional angespannt. In Ballungsgebieten wie Frankfurt oder München sind die Preise deutlich gestiegen“, sagte Bundesbank-Präsident Jens Weidmann im Interview mit der „Welt am Sonntag“. Dieser Preisanstieg hänge mit einer Vielzahl von Faktoren zusammen, „die günstigen Finanzierungsbedingungen sind einer davon“.

Gleichzeitig trat Weidmann Kritikern entgegen, die der Notenbank vorgeworfen hatten, sie schüre mit Warnungen vor einer Immobilienblase unnötige Panik.

Niedrige Zinsen heizen Boom an

„Wir weisen zwar auf einen beschleunigten Preisanstieg hin, insbesondere in Ballungsgebieten. Aber wir sprechen noch nicht von einer Blase und betreiben erst recht keine Panikmache“, sagte er.

Zu einer Blase würde gehören, dass die Immobilienkredite rasant wachsen, was aber nicht der Fall sei. Außerdem müsse man auch die im internationalen Vergleich sehr gedämpfte Entwicklung des deutschen Immobilienmarktes im vergangenen Jahrzehnt berücksichtigen, um das Gesamtrisiko zu bewerten.

„Allerdings tragen die niedrigen Zinsen dazu bei, dass der Immobilienmarkt derzeit boomt“, betonte Weidmann. Auch die Unsicherheit durch die Euro-Krise und der Wunsch, das Geld in vermeintlich sicheren Häfen zu parken, spielten eine Rolle. „Das alles ist keine Erfindung der Bundesbank.“

Ob jung, ob alt: Der Trend führt in die großen Städte

Eigene Wohnungen und Häuser bieten Halt. Berliner beziehen ihr neues Eigentum gern selbst.

 

Fast alle wollen in die Stadt. Und sie wollen in Berlin, München, Frankfurt, Stuttgart oder Köln am liebsten in den eigenen vier Wänden wohnen. In Großstädten, Ballungszentren und Universitätsstädten fehlen zugleich bezahlbare Wohnungen. Dafür stehen in strukturschwachen Landstrichen Häuser leer und verfallen. „Es gibt einen deutlichen Trend in die Städte – bei Jungen wie bei Alten“, sagt der Geschäftsführer des Zukunftsinstituts in Kelkheim bei Frankfurt, Andreas Steinle. Und viele träumen vom Eigenheim oder von der Eigentumswohnung. „Das ist eine Sehnsucht des Menschen.“

Berlin ist zwar eine Mieterstadt und bleibt es auch, doch wer sich eine neue Eigentumswohnung leisten kann, der zieht dort auch gerne ein.

Das geht aus aus den vor zwei Tagen veröffentlichten Ergebnissen einer Zusatzbefragung zum Mikrozensus hervor, den das Amt für Statistik Berlin-Brandenburg jährlich erhebt. Nur 14,9 Prozent der Berliner Wohnungen wurden laut Zusatzbefragung im Jahr 2010 von den Eigentümern bewohnt. Wohnungen, die ab 1991 errichtet wurden, waren aber zu 51,1 Prozent Eigentümerwohnungen. In Brandenburg waren 46,2 Prozent der Wohnungen Eigentümerwohnungen, bei nach 1991 errichteten Wohnungen sogar 62,1 Prozent. Der Verband Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen e. V. (BBU) fürchtet vor diesem Hintergrund, dass die steigende Neubautätigkeit in Berlin die Konkurrenz um Grundstücke für Mietwohnungsbau weiter verschärfen wird. Der steigende Neubau könnte daher wenig zur immer wichtiger werdenden Entlastung des Mietwohnungsmarkts beitragen. BBU-Vorstand Maren Kern erklärte: „Die Zahlen bestätigen uns in der Forderung, dass der Senat dem Neubau günstiger Mietwohnungen oberste Priorität einräumen muss. Das gilt vor allem auch für seine Liegenschaftspolitik.“

Torsten Weidemann von der Eigentümerschutzgemeinschaft Haus & Grund in Berlin hat auch beobachtet: „Die Generation 50 plus zieht gerne noch mal vom Eigenheim am Stadtrand zurück in eine Eigentumswohnung in der Stadt.“ Der Anstieg der Eigentümerquote in Deutschland von 43,2 (2008) auf 45,7 Prozent (2010) ist nach seiner Einschätzung „plötzlich ein großer Schritt“. Dies liege sicherlich an einem zunächst recht stabilen Wirtschaftswachstum und an günstigen Finanzierungskonditionen in der Krise, die diejenigen nutzten, die ein stabiles Einkommen hätten.

Diese Investitionen ins „Betongold“ sind nach Ansicht von Zukunftsforscher Steinle aber nicht der einzige Grund. „Die Herzen der Menschen gehen nach wie vor zur eigenen Immobilie.“ Sie biete Sicherheit und einen emotionalen Anker – „ein Wert, der in unserer mobilen und rastlosen Gesellschaft einen immer höheren Stellenwert hat“. Dabei zieht es viele in die Stadt. „Die Jungen wegen der attraktiveren Jobmöglichkeiten, die Alten wegen der besseren Infrastruktur.“ Sie suchten Kultur, Ärzte und Einkaufsmöglichkeiten in Wohnnähe. „War früher das schöne Anwesen auf dem Land Luxus, so ist heute die Nachfrage nach Luxuswohnungen in der Stadt sehr stark.“ Die Folge: Wohnungen für Familien und Geringverdiener werden in den Städten rar. „Trotz sinkender Bevölkerung haben wir zu wenig Wohnraum“, sagt Steinle. Der Deutsche Mieterbund spricht sogar von einer „neuen Wohnungsnot“, verursacht durch den Rückzug des Bundes und der Länder aus der Wohnungsbauförderung. „In den zehn deutschen Großstädten, die den stärksten Wohnungsmangel haben, fehlen mehr als 100 000 Mietwohnungen“, heißt es in einer Mitteilung der Kampagne „Impulse für den Wohnungsbau“, die neben dem Mieterbund etwa auch der Berufsverband Freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen unterstützt. Bis 2017 müssten 825 000 Mietwohnungen gebaut werden.

Die Mieten seien vor allem wegen der Nebenkosten deutlich gestiegen, sagt Ulrich Ropertz vom Mieterbund. „Durchschnittszahlen sind dabei fatal“, sagt er mit Blick auf die Erhebung des Statistischen Bundesamtes, nach der die deutschen Haushalte 2010 im Durchschnitt 22,5 Prozent ihres Nettoeinkommens in die Kaltmiete steckten. Nicht nur Rentner und Alleinerziehende müssten einen deutlich höheren Anteil ihres Geldes fürs Wohnen beiseitelegen. „Die unteren Einkommensgruppen bis 1700 Euro netto im Monat – und das sind 44 Prozent aller Haushalte in Deutschland – bezahlen rund 38 Prozent für die Warmmiete.“ Zukunftsforscher Steinle sieht neben den kommunalen Bauträgern auch die Kreativität der Städte gefordert. Sie müssten jede noch so kleine Lücke nutzen und darauf bauen.

Berliner Mietwohnungen sind laut Zusatzbefragung zum Mikrozensus im Mittel 66,6 Quadratmeter groß, Eigentümerwohnungen 107,2 Quadratmeter groß. Damit stehen den Bewohnern von Eigentümerwohnungen im Schnitt 51,6 Quadratmeter Wohnfläche zur Verfügung, den Bewohnern von Mietwohnungen 39,3 Quadratmeter. In Brandenburg haben die Eigentümerwohnungen eine durchschnittliche Grundfläche von 112,0 Quadratmetern, jedem Bewohner stehen 48,4 Quadratmeter zur Verfügung. Brandenburger Mietwohnungen sind im Schnitt 63,3 Quadratmeter groß. Brandenburger Mieter wohnen im Mittel auf 36,6 Quadratmeter Wohnraum.

Der Wohnungsleerstand betrug im Jahr 2010 in Berlin 7,5 Prozent, in Brandenburg 10,1 Prozent. Im Bundesdurchschnitt lag die Leerstandsquote in Wohngebäuden bei 8,4 Prozent, in den neuen Bundesländern waren 11,2 Prozent der Wohnungen unbewohnt.

Von Ira Schaible