Wo kann ich mir noch ein Haus leisten

SanierungDie Immobilienpreise steigen. Um acht Prozent für Einfamilien-Häuser rund um Berlin im letzten Jahr. Doch auch im begehrten Speckgürtel kann man noch günstig Bauland und Häuser kaufen.

Los geht‘s laut neuem Grundstücksmarktbericht bei 110 000 Euro. Dafür gibt es zum Beispiel ein Reihenhaus (nach 1990 gebaut) in Blankenfelde (Teltow-Fläming). Der Haken: Die Gemeinde liegt in der Einflugschneise des BER.

In Hönow (Märkisch-Oderland) und Birkenwerder (Oberhavel) ist Fluglärm kein Problem. Für 135 000 Euro gibt es Reihenhäuser – sogar eine S-Bahn-Station. Das sind 100 000 Euro weniger als in Berlin!

Bei Einfamilienhäusern kann man genauso sparen:

• 169 000 Euro zahlt man in Brieselang (Havelland), 170 000 Euro in Schönow (Barnim) und Ahrensdorf (Teltow-Fläming), 189 000 Euro in Schöneiche (Oder-Spree).

• Potsdam (345 000 Euro) und Kleinmachnow (721 000 Euro) sind jedoch teurer als Berlin (295 000).

Die unterschiedlichen Preise liegen auch daran, dass Häuser in Kleinmachnow meistens größer sind …

Beim Bauland sieht es so aus: 185 Euro kostet der Quadratmeter in Potsdam, 79 Euro im Speckgürtel-Durchschnitt. Am günstigsten sind Teltow-Fläming (69 Euro) und Märkisch-Oderland (72 Euro). Das lockt.

Chef-Gutachter Jürgen Kuse: „Der Trend zum Bauen in Brandenburg hält unvermindert an.“

Von MICHAEL SAUERBIER

Aufwärts in jeder Hinsicht: Grundstückspreise explodieren

HausbauDer Trend zum Grundstückskauf und Hausbau ist in Brandenburg ungebrochen. Staatssekretär Rudolf Zeeb nannte dies erfreulich, als er gestern den aktuellen Grundstücksmarktbericht vorstellte. Das beziehe er nicht auf eine fortschreitende Zersiedlung des Berliner Umlandes – die nicht ohne Weiteres nachweisbar sei – sondern auf die Tatsache, dass sich Menschen in der Region in hohem Maße den Traum von den eigenen vier Wänden erfüllen können, merkte Zeeb an. Das schloss er u.a. aus der Steigerung bei den Baugenehmigungen für Wohngebäude um 30 Prozent.

Allerdings müssen Interessenten dafür deutlich tiefer in die Tasche greifen als in den Jahren davor. Im Jahr 2012 seien 34 165 Kaufverträge abgeschlossen worden, was ein Zuwachs um drei Prozent bedeute. Dabei hätten 3,07 Milliarden Euro den Besitzer gewechselt – ein um neun Prozent höherer Geldumsatz.

Die Spitzenstellung nimmt dabei wie gewohnt Potsdam ein, dort seien die Preise förmlich »explodiert«, sagte der Vorsitzende des Obersten Gutachterausschusses für Grundstückswerte, Jürgen Kuse. Aber auch an anderen Orten gilt: »Die Preise ziehen an.« Naturgemäß seien außerhalb des Speckgürtels um Berlin nur deutlich niedrigere Preise zu erzielen, mitunter zwischen fünf und zehn Euro für den Quadratmeter Bauland. Doch finde ein völliges Abkoppeln des dortigen Grundstücksmarktes vom Metropolenraum nicht statt, auch außerhalb seien die Grundstückspreise im Wachsen begriffen. Der Bevölkerungsschwund sei hier einzukalkulieren, aber »völlig entleerte Räume gibt es nicht«. Überall spielten die Frage der Qualität mit hinein, die der verkehrstechnischen Anbindung, der Versorgung. Es seien also durchaus auch in den fernen Weiten des Bundeslandes hohe Preis zu erzielen. Die verkaufte Fläche von Wohnbauland ist laut Kuse insgesamt um 13 Prozent angewachsen, insgesamt seien 481 Millionen Euro geflossen.

Ein rasanter Anstieg der Bau- und Immobilienpreise wie in Berlin gebe es – abgesehen von Potsdam – in Brandenburg aber nicht. Von einer »Blase« könne ebenfalls keine Rede sein. Im Umfeld der Flughafenbaustelle Schönefeld tue sich derzeit recht wenig, mit einem Sinken der Grundstückspreise an diesem Ort gehe das aber nicht einher. Kuse: »Man investiert, die Flächen sind gesichert.« Im gewerblichen Bereich herrsche im Hinblick auf den unbekannten Eröffnungstermin des Flughafens Stagnation. Im Falle der »Wohnbesiedlung im Weichbild« des künftigen Airports sei ebenfalls kein Fallen der Preise zu beobachten. Immerhin sei noch nicht einmal klar, wo die tatsächlichen Flugrouten verlaufen werden.

Auch haben sich die Preise des Umlandes laut Kuse dem Randberliner Niveau weitgehend angeglichen. Die Zeiten, in denen auf der anderen Straßenseite deshalb doppelt so hohe Grundstückspreise abgefordert wurden, weil sie eben in Berlin lagen und dazwischen die Grenze verlief, seien lange vorbei. Auch Wochenendgrundstücke seien nach wie vor gefragt. Zum Käuferstamm zählen laut Kuse inzwischen auch Polen, die sich in der Uckermark für Baugrundstücke interessieren, die billiger sind als jenseits der Grenze.

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Zahl der Baugenehmigungen ist 2012 gestiegen

Hauskauf-BerlinDer Boom auf dem Wohnungsmarkt setzt sich fort. 2012 wurden in Deutschland erneut mehr Baugenehmigungen erteilt als im Vorjahr, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden mitteilte. Insgesamt durften rund 239 500 Wohnungen gebaut oder umgebaut werden und damit 4,8 Prozent oder 11 100 Wohnungen mehr als ein Jahr zuvor. Allerdings konnte der starke Zuwachs aus dem Jahr 2011 (plus 21,7 Prozent) nicht wiederholt werden. Besonders stark war das Plus mit 13,3 Prozent bei Wohnungen in Mehrfamilienhäusern mit gut 96 000 neuen Wohnungen. Dagegen sank die Zahl der genehmigten Wohneinheiten in Einfamilienhäusern um 5,8 Prozent auf rund 88 500.

Nach Einschätzung der Baubranche werden damit noch immer zu wenig neue Wohnungen gebaut, während der Immobilieneigentümerverband Haus & Grund einen voll funktionsfähigen Wohnungsmarkt sieht.

Im Krisenjahr 2009 hatte der Wohnungsbau mit 159 000 Wohnungen einen Tiefstand erreicht. Der Nachholbedarf ist also groß.

Der Zentralverband Deutsches Baugewerbe (ZDB) erklärte, die Zahl der Wohnungsgenehmigungen zeige „einmal mehr, dass immer noch zu wenig neue Wohnungen auf den Markt kommen“. Baugenehmigungen seien nicht mit Fertigstellungen gleichzusetzen. Steuerliche Anreize für Bauherren seien nötig, um die Bautätigkeit anzuschieben, erklärte ZDB-Hauptgeschäftsführer Felix Pakleppa. Die Bundesregierung müsse die steuerliche Absetzbarkeit des Mietwohnungsbaus verbessern.

Der Eigentümerverband Haus & Grund hingegen betonte, die Statistik zeige, der Wohnungsmarkt „funktioniert ganz offensichtlich“. Es würden deutlich mehr als die nach aktuellen Berechnungen nötigen rund 200 000 neuen Wohnungen pro Jahr in Angriff genommen. „Die hektischen Diskussionen der vergangenen Wochen über Wohnungsnot und Mietenexplosionen sind nichts anderes als Panikmache im Vorwahlkampf“, erklärte Verbandspräsident Rolf Kornemann. Fatal sei es auch, potenzielle Bauherren zu verunsichern. Der Wohnungsneubau dürfe nicht durch „puren Aktionismus“ künstlich angeheizt und durch Steuergeld nicht „der Leerstand von morgen finanziert“ werden.